Menuett an Dali und Bonduèlle (1/3)

29. September, 2007 von Mischka

Auf dem Eierschneider macht dem Flamingo keiner was vor.Wild mäandrierend fegen meine Fingerkuppen über die Klaviatur. Dur pickt sich der weisse Flügel Tomatenscheiben aus dem knackfrischen Scherbenhaufen und zischt sie sich durch seinen Resonanzboden. Ein scharfes Ziselieren aus dem geschlossenen Klangkörper scheucht das dösende Kasiergemüse in der Loge auf. Mit mollglühenden Saiten schweisse ich den Paradiesapfel wieder zusammen. Pattati, Pattata. Die Nachtschattengewächse auf den billigen Plätzen rascheln unruhig in ihren Sesseln. Atemlos beobachten sie, wie die Tomate wie neu aber ungelenk zwischen Korpus und Deckel hervorquillt und dumpf auf die Planken klatscht. In Extase werfe ich mein offenes Haar hin und weg, Strähnen verdichten sich zu schwülstigen Ranken. Aus dem wabernden Oberholz Den Rest des Beitrags lesen »

The Amazing Adventures Of Dick Woodcock

7. September, 2007 von Mischka

The Amazing Adventures Of Dick Woodcock (Switzerland 2007)Prominente Bärensorten wie der puschelige Panda verstellen uns zusehends den Blick für die wirklich schützenswerten Dinge des Alltags. Wie sprang der welke Muskel in meiner Brust, wenn ich in der guten alten Zeit ein Paar Plateauschuhe der Marke Buffalo gesehen habe, die eine mit synthetischen Fasern verschnürte Maid spazieren führten. Kleinode unserer Alltagskultur dieses Kalibers kann man heute nur noch in Reservaten wie Berlin-Marzahn oder Wattenscheid in vivo beobachten. Noch dramatischer bedroht ist die Gattung der unverfilmbaren Bücher, zu der vor etwas mehr als einem Jahrhundert quasi noch alle Bücher gehört haben. Nur mit viel Glück kann man heute noch adaptierte Drehbuchautoren mit zerzausten Bärten durch ungewaschene Bibliotheken pirschen sehen. Noch seltener erlebt man, wie ihre Jagd nach zelluloid-resistenten Stoffen von Erfolg gekrönt ist, nachdem sie sich wochenlang mit stinkenden Johannes-Mario-Simmel-Romanen Den Rest des Beitrags lesen »

In die Erde geschossen

2. September, 2007 von Mischka

Der macht nix…

Schimmelpilz und Schwermetalle,

Leben ohne Sonnenschein,

Tapp nicht in die Parterre-Falle,

zieh ins Oberstübchen ein.

Planet der Waffen

20. August, 2007 von Mischka

Küzlich durfte ich Teil eines großartigen – wie heißt es doch so schön auf Neusprech – TV-Events werden, der ZDF Science-Fiction Nacht. Leider habe ich nur die ersten Minuten von Planet der Affen aus dem Jahre ‘68 durchgestanden. Selbigen empfand ich als Kind als eine Offenbarung, da er mir drollig maskiert das unausweichliche Ende der Menschheit vorgaukelte. Heutzutage weiß ich natürlich, daß Hollywood nicht das wahre Leben ist, und wir haarlose Affen unheimlich unspektakulär und unromantisch zu Grunde gehen werden. Bei Planet der Affen merkt man noch stark die menschliche Arroganz heraus, die sich in ein paar tausend Jahren anthropozentrischem Christentum aufgetürmt hat. Rein kosmisch gesehen sind wir doch eh Den Rest des Beitrags lesen »

Äpfel, Birnen, Becquerel

19. August, 2007 von Mischka

Bekanntlich ist das Leben die beste Schule, wobei man im Umkerschluß in der Schule nichts fürs Leben lernt. In der 7.Klasse hab ich von meiner damals 62jährigen Deutschlehrerein, die sich tapfer weigerte, ihre Synthetikkostüme aus ihrer Referendariatszeit einer umweltverträglichen Verwertung auf einer Gefahrenstoffdeponie zukommen zu lassen, die feingliedrig zu differenzierende Bedeutung von „komisch“ gegenüber „seltsam“ gelernt. Als einer meiner Leidensgenossen auf eine mit eingefrorenem Lächeln gestellte Frage mit „Kafka kommt mir irgendwie komisch vor.“ antwortete, brach sie in ein bambiverdächtig eklektisches Lachen aus, welches sie langsam in seinen Ausgangszustand zurück gefrieren ließ. Nach einer pädagogisch sinnvollen Pause und einem kurzen Stoßgebet, welches den Herrgott dazu bewegen sollte, sie von ihrer Sisyphos-Arbeit als Lehrerein endlich durch einen Schlaganfall zu erlösen, machte sie uns unmissverständlich klar, daß wir uns keine Mutmaßungen über Kafkas humoristische Qualitäten erlauben dürften. Ihr völlig deplaziertes Lachen habe uns verdeutlichen sollen, Den Rest des Beitrags lesen »

Klimas Zerstörung

17. August, 2007 von Mischka

© 2006 Martin Klimas PhotographyZerstörung ist ein fast schon inflationär verwendetes Konzept des Kosmos. Und das ist gut so, weil jedesmal, wenn etwas zerstört wird, Platz für Neues geschaffen wird, was dann ebenfalls wieder in Rauch, Schutt oder Neutronenstrahlung aufgehen kann. Wie würde der australische Busch aussehen, wenn nicht regelmäßig eine Feuersbrunst altes Gehölz und Bonboneinwickelpapierchen ausradieren würde: Koalas, die auf Euakalyptusbonbons zurückgreifen müssen, weil alle Eukalyptusbäume unter Bergen verendeter Kängurus erstickt sind. Und Kängurus, die sich statt mit Boxhandschuhen mit Macheten durch das Dickicht schlagen und schließlich doch quallvoll verenden, weil sie einen Knäuel Bonboneinwickelpapierchen in den falschen Beutel bekommen haben. Wo wäre die Menschheit heute, wenn die Sintflut anno sowieso nicht alle triebgesteuerten Ungläubigen unserer Gattung ertränkt hätte? Da herrschte doch bestimmt Den Rest des Beitrags lesen »

§11 hilft trotz schwieriger Zusammensetzung

15. August, 2007 von Mischka

Der Paragraph 11 des Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuchs (LFGB) ist unser Freund, er beschützt uns vor den lebensmittelgestalterischen Ergüssen der Fooddesigner und vor propagandierenden Marketingabteilungen. Denn jedesmal, wenn ein Zacherl-Zauberlehrling aus Spülmittel und Morgenurin-Mittelstrahl eine Flüssigkeit herstellt, die ein klein wenig attraktiver als echtes Bier aussieht, springt §11 LFGB in rotem Spandexanzug und mit zum Kampf hochgeklapptem Servier aus seiner tiefergelegten Gesetzesmühle und zwingt die Verpackungsdesigner „Serviervorschlag“ auf das Etikett zu stempeln. Einige ganz ausgewolfte Vertriebsfüchse sehen in Paragraph 11 aber nicht mehr nur ein lästiges Übel, einen besserwisserischen Quälgeist, sondern eine echte Chance zu mehr Profit. Die Speerspitze dieser neuen Generation von Unternehmern bilden Den Rest des Beitrags lesen »

Erschüttert, nicht gerührt

14. August, 2007 von Mischka

Schwadronierendes Gefasel
hört man seltener aus Basel-
iskennüstern
quellen
wenn sie Säulenmenschen pellen.

Auch Medusens Schlangenhäupter
schweigen still wenn ihre Beuter-
züge Leichenpflaster legen.
„Noch ein letzter Wunsch?“ – Von wegen!

Nur bei James Bond, dem Flachleger
wird gezögert, malträtiert.
Ich hätt diesen Schürzenjäger,
längst humorlos ausradiert.

Golbal Iltis orphan? Nah prosit lila Blog!

13. August, 2007 von Mischka

Vorsicht vor Kakao reichenden Ottern!Diese globale Vernetzung von Wissen und Nichtwissen, wobei die Unterscheidung für mich zugegebenermaßen immer schwieriger wird, macht das Schreiben von Blogs zum Äquivalent eines Tänzchens zu „Lucy in the Sky with Diamonds“ in promiskuitiveren Zeiten als den heutigen. Während man früher bei Gesprächen ohne Einsatz aufwändiger Technik Hallfahnen, Echoräume und Hirnrückkopplungen wahrnehmen konnte, schwingt heute bei einer ernst gemeinten Wikipediasitzung ein ganzer Rattenschwanz verwirbelter Information mit.

Wenn man zum Beispiel ganz einfach das Schlausprechwort für Angst vor Clowns (Coulrophobie) auswikien will, weil man erfährt, daß ein ehemaliger Mitbewohner unter selbiger leidet und überdies von Radiophobie, der Angst vor Strahlung in den Wahnsinn getrieben wird, findet man sich augenweidend neben Den Rest des Beitrags lesen »

Mit wehenden Fahnen

11. August, 2007 von Mischka

Treibsand zieht an Deinen Fersen, saugt sich fest wenn Du strampelst. Du hältst still und spürst den kühlen Griff der Erde. Schwer und erbarmungslos. Bis zu den Knien steckst Du im Boden, wie eingepflanzt und vergessen. Bei der Ernte einfach übersehen, zu kümmerlich und nicht mal kurz mit der Sense umgehauen, nicht mal das.

Neben Dir döst der knurrende Sand, unter Dir schlafen geschliffene Knochen. Keine Hand, die Dich rauszieht, nur runter, tiefer in den Brei. Atmen ist gut, ne gute Sache, um am Leben zu bleiben. Aber nicht zu wild, immer schön langsam nippen, damit der Sand nicht aufwacht.

Aber ewig im Sand stecken? Du schlingst die Luft runter, weil es das vorletzte ist, was Du noch zwischen die Zähne bekommst. Knirschend sinkst Du tiefer, ruderst ein wenig mit den Armen, um nicht wehrlos unterzugehen. Deine Lippen formen klebrige Töne, ein fliegendes Lied besingt Den Rest des Beitrags lesen »