Diese globale Vernetzung von Wissen und Nichtwissen, wobei die Unterscheidung für mich zugegebenermaßen immer schwieriger wird, macht das Schreiben von Blogs zum Äquivalent eines Tänzchens zu „Lucy in the Sky with Diamonds“ in promiskuitiveren Zeiten als den heutigen. Während man früher bei Gesprächen ohne Einsatz aufwändiger Technik Hallfahnen, Echoräume und Hirnrückkopplungen wahrnehmen konnte, schwingt heute bei einer ernst gemeinten Wikipediasitzung ein ganzer Rattenschwanz verwirbelter Information mit.
Wenn man zum Beispiel ganz einfach das Schlausprechwort für Angst vor Clowns (Coulrophobie) auswikien will, weil man erfährt, daß ein ehemaliger Mitbewohner unter selbiger leidet und überdies von Radiophobie, der Angst vor Strahlung in den Wahnsinn getrieben wird, findet man sich augenweidend neben einer Tabelle der Phobien wieder. Neben der Angst vor der Haut auf dem Kakao, der Glykodermaphobie, der Sesquipedalophobie welche die Angst vor langen Wörtern bezeichnet, der Lutraphobie, deren Jünger sich bei dem Anblick von Ottern einpinkeln (Urophobie), tummelt sich hier die Palindromophobie, deren Leidtragenden man mit Sätzen wie „Ein Neger mit Gazelle Zagt im Regen nie.“ die Nackenhaare aufstellen kann. Unbestätigten Quellen zufolge wird die Angst vor Palindromen auch Eibohphobie genannt, da Eibohphobie von vorne und von hinten eibohphobiE gelesen wird, und immer Eibohphobie rauskommt, egal wie man eibohphobiE dreht oder wendet. Für die Angst vor dem wiederholten Wiederholen von Wörtern gibt es leider kein Fachwort, daher taufe ich sie ganz unbürokratisch Echophobie.
Der Trip durch die Welt des Wissens wird immer farbenprächtiger und führt uns weiter in die Gänge des globalen Kaninchenbaus, wenn man nun das neue Google.docs zum Vestnageln besonderer Fakten zu Palindromen nutzen will. Auf der Suche nach einem passenden Benutzernamen stellt man mit Entsetzen fest daß der Anmeldename moc.liamelgoog@googlemail.com bereits vergeben ist. Als Alternative wird einem wie selbstverständlich die laufende Nummer 568 vorgeschlagen – 567 verlorene Seelen hatten also den gleichen abfälligen Einfall.
An diesem Punkt wird einem langsam klar, daß hemmungslose Information und schamloses Wissen das neue Opium der Völker sind, und ein LSD-Rausch nie so psychedelisch sein kann, wie die Funktion „Zufälliger Artikel“ bei Wikipedia. Neil Postman’s „We’re Amusing us to death.“ wirft das Handtuch und muß dem neuen Übersatz „We’re informing us to insanity.“ Platz machen, den ich soeben unter Schmerzen in die Ursuppe der Wissensgesellschaft geboren habe, um zu sehen, ob er sich über Wasser halten kann.
Um einen großen Bogen zu spannen, seien nun all diejenigen gewarnt, die der Synonymophobie frönen. Sie sollten sich jetzt schnell unter einen Türrahmen stellen oder besser noch in eine Tüte atmen, da nach dem Doppelpunkt der Anmeldename folgt, der dann gottseidank doch noch frei war: Dick.Woodcock (Medorthophobie).