Zerstörung ist ein fast schon inflationär verwendetes Konzept des Kosmos. Und das ist gut so, weil jedesmal, wenn etwas zerstört wird, Platz für Neues geschaffen wird, was dann ebenfalls wieder in Rauch, Schutt oder Neutronenstrahlung aufgehen kann. Wie würde der australische Busch aussehen, wenn nicht regelmäßig eine Feuersbrunst altes Gehölz und Bonboneinwickelpapierchen ausradieren würde: Koalas, die auf Euakalyptusbonbons zurückgreifen müssen, weil alle Eukalyptusbäume unter Bergen verendeter Kängurus erstickt sind. Und Kängurus, die sich statt mit Boxhandschuhen mit Macheten durch das Dickicht schlagen und schließlich doch quallvoll verenden, weil sie einen Knäuel Bonboneinwickelpapierchen in den falschen Beutel bekommen haben. Wo wäre die Menschheit heute, wenn die Sintflut anno sowieso nicht alle triebgesteuerten Ungläubigen unserer Gattung ertränkt hätte? Da herrschte doch bestimmt ein Hauen und Stechen, Mord und Totschlag, wenn nicht sogar Neoliberalismus auf unserem Planeten.
Deshalb hat die Zerstörung als universelles Prinzip auch Einzug in die Kunst gehalten. Leider werden immer noch viel zu wenige altölige Bilder zerstört, um Platz für neue, digitale zu machen. Im Gegenteil. Täglich werden unzählige Graubrot-Plastiken geformt, die in den angesagten Galerien Platz für Bilder von explodierenden Kühen wegnehmen.
Nachdem Martin Klimas stinknormale Gebrauchsgegenstände beim Explodieren fotografiert hat, macht er mit seinen zerspringenden Porzellanfiguren einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Wenn er Glück hat, und seine Photographien einst in berühmten Museen hängen, wie zum Beispiel dem Nachttopfmuseum in München, kann er vielleicht Bilder davon machen, wie er vor seinen Bildern im Museum Nachttöpfe zerstört. Und dann kann er die Zerstörung seiner Bildern ablichten, die leider neuen Bildern explodierender Kloschüsseln weichen müssen. Bis die Spekulationsblase auf dem Markt für Photos explodierender Sanitäreinrichtungen platzt – dann ist die Kacke aber mal richtig am Dampfen.