Archiv für die Kategorie ‘fast so passiert’

Äpfel, Birnen, Becquerel

19. August, 2007

Bekanntlich ist das Leben die beste Schule, wobei man im Umkerschluß in der Schule nichts fürs Leben lernt. In der 7.Klasse hab ich von meiner damals 62jährigen Deutschlehrerein, die sich tapfer weigerte, ihre Synthetikkostüme aus ihrer Referendariatszeit einer umweltverträglichen Verwertung auf einer Gefahrenstoffdeponie zukommen zu lassen, die feingliedrig zu differenzierende Bedeutung von „komisch“ gegenüber „seltsam“ gelernt. Als einer meiner Leidensgenossen auf eine mit eingefrorenem Lächeln gestellte Frage mit „Kafka kommt mir irgendwie komisch vor.“ antwortete, brach sie in ein bambiverdächtig eklektisches Lachen aus, welches sie langsam in seinen Ausgangszustand zurück gefrieren ließ. Nach einer pädagogisch sinnvollen Pause und einem kurzen Stoßgebet, welches den Herrgott dazu bewegen sollte, sie von ihrer Sisyphos-Arbeit als Lehrerein endlich durch einen Schlaganfall zu erlösen, machte sie uns unmissverständlich klar, daß wir uns keine Mutmaßungen über Kafkas humoristische Qualitäten erlauben dürften. Ihr völlig deplaziertes Lachen habe uns verdeutlichen sollen, (mehr…)

Unser täglich Blog gib uns heute

9. August, 2007

Peters FleischmützeManchmal führt der Standardisierungs­wahn im Ultra-Neoliberalismus auch zu schönen Erlebnissen im zwischenmenschlichen Bereich. Als ich kürzlich in eine der 54 eineiigen Filialen von „Video-World“ schlurfte, um mich von deren silbern glänzender Auslegeware inspirieren zu lassen, stolperte ich über einen Klassiker des sozialkritischen Science-Fiction-Films: „Es ist nicht einfach ein Gott zu sein.“ Ich zögerte kurz, ob der Information, daß es sich hierbei um einen deutsch-russischen Schulterschluß von 1989 handelte. Bei „Solaris“ von Andrej Tarkovskij im russischen Original mit französischen Untertiteln war ich im Verlauf einer halbstündigen Autobahnfahrt durch betonverliebtes Plattenbaugebiet zuerst dem Wahnsinn und dann dem Schlaf erlegen. Doch der Name des Regisseur jagte ein Kribbeln über meine postpubertären Fühler: „Ein Film von (mehr…)