Archiv für die Kategorie ‘Leben oder so’

Mit wehenden Fahnen

11. August, 2007

Treibsand zieht an Deinen Fersen, saugt sich fest wenn Du strampelst. Du hältst still und spürst den kühlen Griff der Erde. Schwer und erbarmungslos. Bis zu den Knien steckst Du im Boden, wie eingepflanzt und vergessen. Bei der Ernte einfach übersehen, zu kümmerlich und nicht mal kurz mit der Sense umgehauen, nicht mal das.

Neben Dir döst der knurrende Sand, unter Dir schlafen geschliffene Knochen. Keine Hand, die Dich rauszieht, nur runter, tiefer in den Brei. Atmen ist gut, ne gute Sache, um am Leben zu bleiben. Aber nicht zu wild, immer schön langsam nippen, damit der Sand nicht aufwacht.

Aber ewig im Sand stecken? Du schlingst die Luft runter, weil es das vorletzte ist, was Du noch zwischen die Zähne bekommst. Knirschend sinkst Du tiefer, ruderst ein wenig mit den Armen, um nicht wehrlos unterzugehen. Deine Lippen formen klebrige Töne, ein fliegendes Lied besingt (mehr…)

Drei Farben Grau

3. August, 2007

Malve ist die Geheimwaffe gegen flüchtendes Bunt. Auch dick bemalte Lippen, Schattenlider und schrille Kleidung halten das Grau in Schach, signalisieren ihm Kampfbereitschaft. Doch Tropische Länder bieten ein ideales Versteck, zwischen all den Papagaien und Korbblütlern ist die Farbe kaum noch auszumachen, sobald sie rausgetropft ist. Auf ein­tönigen Schneeflächen jedoch ist die Spur des Lebens im Weiß nicht zu übersehen: Das Scharlach der Lippen, das ebene Holz der Haare, die kleinen Sprenkler leuchtendes Blau, die man hinter sich verliert. Man kann die Farbe wieder auflecken, beobachten, wie sie die Haut strafft, wenn sie zurück in den Rahmen fließt. Irgendwann hat man zu viel verloren, dann wird das ständige Bücken zu Erschöpfung, dann sackt man schlaff in den bunten Schnee. Schweigend zieht der Frühling seinen Hut vor der grauen Hülle und streicht die Papagaien und auch die Korbblütler mit unserer geronnenen Zeit.